Wann macht das Überputzen von Fliesen Sinn?
Bevor du Hammer und Meißel holst, solltest du überlegen, ob du die Arbeit nicht einfacher haben kannst. Das Entfernen alter Fliesen ist staubig, laut und kostet viel Zeit und Kraft. Das Überputzen kann eine echte Alternative sein, aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Die Oberfläche muss stimmen
Der wichtigste Punkt: Die Haftung. Putz braucht eine Oberfläche, an der er gut festhalten kann. Wenn deine aktuellen Fliesen glänzend, poliert oder extrem glatt sind, wird der Putz später wahrscheinlich abblättern. Das willst du natürlich verhindern, besonders in einer feuchten Umgebung wie dem Badezimmer. Achte darauf, dass die alten Fliesen fest sitzen und keine Risse haben. Wenn du großflächig lose Fliesen hast, musst du diese ersetzen oder vorher entfernen. Für die Gestaltung fugenloser Oberflächen, wie zum Beispiel mit Microzement, ist die sorgfältige Vorbereitung der Fliesen unerlässlich. Mehr Informationen dazu findest du im Beitrag zum Microzement Badezimmer.
Die richtige Vorbereitung ist alles
Ein häufiger Fehler beim Fliesen verputzen ist das Vernachlässigen der Vorbereitung. Stell dir vor, du willst eine Leinwand bemalen, die voller Fettflecken ist. Die Farbe hält nicht gut. Genauso ist es mit dem Putz auf den Fliesen. Die Oberfläche muss sauber, fettfrei und leicht angeraut sein. Das ist der Schlüssel für ein langlebiges Ergebnis, wenn du Fliesen überarbeiten willst.
Die notwendigen Schritte zum perfekten Putz auf alten Fliesen
Wenn du dich für das Überputzen entscheidest, folge diesen Schritten. Sie helfen dir, typische Fallstricke zu umgehen und sicherzustellen, dass dein neues Badezimmer nicht nach kurzer Zeit unschön aussieht.
VIDEO: Wandfliesen verlegen! Schritt-fr-Schritt Anleitung
Wesentliche Links
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Schritt 1: Gründliche Reinigung
Beginne damit, die alten Fliesen komplett zu reinigen. Entferne Kalk, Seifenreste und Schimmel. Benutze dafür einen guten Fettlöser oder einen speziellen Fliesenreiniger. Nach dem Reinigen musst du alles sehr gut abspülen. Lass die Flächen danach vollständig trocknen. Feuchtigkeit ist dein größter Feind, wenn du Putz auf Fliesen auftragen willst.
Schritt 2: Die Haftgrundierung – Dein wichtigster Helfer
Hier trennen sich die Wege zwischen einem schnellen Misserfolg und einem dauerhaften Erfolg. Die Haftgrundierung, oft auch als Quarzgrund bezeichnet, ist ein spezieller Tiefengrund, der die Oberfläche aufbricht. Er schafft eine raue Struktur, an der der eigentliche Putz Halt findet. Ohne diese Grundierung hält der Putz auf der glatten Fliesenoberfläche schlecht. Rolle die Haftgrundierung gleichmäßig auf alle zu verputzenden Flächen auf. Achte darauf, dass du ein Produkt wählst, das für glatte Untergründe wie Fliesen geeignet ist. Nach dem Auftragen muss die Grundierung komplett durchgetrocknet sein, das steht auf dem Gebinde.
Schritt 3: Geflieste Flächen vorbehandeln (Optional, aber ratsam)
Wenn deine Fliesen sehr groß sind oder du weißt, dass die Oberfläche empfindlich ist, kannst du eine spezielle Gewebespachtelung in Erwägung ziehen. Hierbei wird ein Spachtelmaterial aufgetragen und ein Armierungsgewebe eingearbeitet. Das Gewebe verteilt Spannungen und verhindert, dass später feine Risse im Putz entstehen, die durch Bewegung der Fliesen verursacht werden. Das ist besonders wichtig, wenn du größere Flächen verputzen möchtest und eine extrem glatte Oberfläche wünschst.
Schritt 4: Der richtige Putz für Feuchträume
Im Badezimmer herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Daher brauchst du einen Putz, der atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit regulieren kann. Vermeide reine Gipsputze, die bei starker Feuchtigkeit leiden könnten. Ein zementbasierter oder ein spezieller Kalkzementputz ist oft eine gute Wahl, da er robuster gegen Nässe ist. Für die letzte Schicht, die sogenannte Deckputzschicht, kannst du auch einen Dekorputz verwenden, der deinem Bad eine schöne Struktur gibt.
Schritt 5: Auftragen und Strukturieren
Trage den Putz in der vom Hersteller angegebenen Schichtdicke auf. Meistens sind zwei Anstriche nötig: eine erste, dickere Schicht zum Ausgleichen und eine zweite, feinere Schicht für die Optik. Arbeite zügig, aber sorgfältig. Nutze eine Glättkelle, um den Putz aufzutragen und zu verteilen. Die Struktur, die dein Bad am Ende haben soll – ob fein gespachtelt oder leicht rau – entscheidest du mit der Kelle oder einem Schwammbrett, solange der Putz noch feucht ist.
Herausforderungen beim Fliesenspachteln im Duschbereich
Der Bereich rund um die Dusche oder Badewanne ist besonders kritisch. Hier steht das Material dauerhaft unter Wasser. Wenn du Fliesen im Nassbereich überputzen möchtest, musst du extrem vorsichtig sein und höchste Qualität bei der Materialwahl zeigen.
Wenn du Fliesen im Duschbereich verputzen willst, brauchst du zusätzlich eine Abdichtung. Herkömmlicher Putz dichtet nicht zuverlässig gegen Wasserdruck ab. Du müsstest nach dem Verputzen eine spezielle Dichtschlämme auftragen, genau wie du es bei einem gefliesten Untergrund tun würdest. Das ist aufwendig und erfordert Fachwissen. Wenn du diesen Aufwand scheust, überlege dir wirklich, ob das vollständige Entfernen der alten Fliesen im direkten Spritzwasserbereich nicht die sicherere Lösung ist. Du vermeidest so das Risiko von Wasserschäden hinter dem Putz.
Dein neues Bad gestalten: Die Farb- und Oberflächenwahl
Nachdem der Putz getrocknet ist, kommt der spaßige Teil: die Gestaltung. Du kannst nun streichen oder direkt farbigen Putz verwenden. Achte darauf, dass du Wandfarben verwendest, die für Feuchträume geeignet sind, zum Beispiel Silikatfarben oder spezielle Badfarben. Diese Farben sind diffusionsoffen, das heißt, sie lassen Wasserdampf entweichen, und sie sind schimmelresistent. Das sorgt dafür, dass dein frisch verputztes Bad gesund bleibt und sich kein Schimmelproblem entwickelt, das oft mit dem Wunsch, Fliesen zu überdecken, verbunden ist.
Was tun, wenn ich die alten Fugen stören?
Die Fugen sind oft das, was am meisten stört, weil sie die Fläche unterbrechen und Unebenheiten schaffen. Wenn du wirklich eine fugenlose Fläche willst, musst du die Fugen vorher füllen. Dafür gibt es speziellen Füllspachtel. Du füllst die tiefen Fugen komplett auf und schleifst die Fläche glatt, bevor du die Haftgrundierung aufträgst. Das ist harte Arbeit, aber es sorgt für eine ebene Basis. Wenn du das nicht machst, zeichnen sich die alten Fugen später durch den Putz ab, besonders bei dünnen Putzschichten.
Häufig gestellte fragen
soll ich die alten fliesen vorher ankratzen
Ja, das solltest du unbedingt tun, bevor du die Haftgrundierung aufträgst. Die Oberfläche muss nicht nur sauber, sondern auch leicht rau sein. Mit grobem Schleifpapier oder einem speziellen Raumaschwamm kannst du die Oberfläche anrauen. Das verbessert die mechanische Haftung des Grundes enorm und ist ein wichtiger Schritt, um das spätere Abplatzen zu verhindern.
wie lange dauert das trocknen zwischen den schritten
Das ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich, lies immer die Herstellerangaben. Meistens musst du die Haftgrundierung mindestens 12 bis 24 Stunden trocknen lassen. Auch die einzelnen Putzschichten brauchen Zeit, oft mehrere Stunden, bevor du die nächste Schicht auftragen kannst. Plane mindestens drei volle Tage ein, nur für die Trocknungszeiten, bevor du mit dem Streichen beginnst.
kann ich auch tapete über die gefliesten wände kleben
Theoretisch ja, aber nur, wenn die Fugen komplett geschlossen und plan gespachtelt sind. Normale Raufasertapete wird die Unebenheiten der Fugen nicht kaschieren und kann bei Feuchtigkeit Probleme bekommen. Wenn du diesen Weg gehst, nutze spezielle, reißfeste Glasfasertapeten oder Vliestapeten, die für Feuchträume zugelassen sind. Auch hier ist eine sehr gute Grundierung der alten Fliesenoberfläche notwendig, damit die Tapete hält und keine Feuchtigkeit in den Untergrund zieht. Eine Alternative zum Tapezieren ist das Kleben neuer Fliesen auf die alten Fliesen.
